Details

Der Drache regt sich
Simon Weinert
Medusenblut 19, 117 Seiten, Pb, ISBN 3-935901-10-0
10,00 €
Aus dem Inhalt:
Bevor Sie dieses Buch aufschlagen, sollten Sie sich erst mal sicher sein, dass Sie sich gut benehmen können. Wenn Sie da nämlich genauso rumfläzen wie bei sich zuhause, dann kann es leicht sein, dass sich der Drache (auf-) regt. Und das wollen Sie doch nicht, oder?
Ansonsten finden Sie hier eine hirn-reißende Fantasyerzählung, die in überwiegend ganzen und leicht verständlichen Sätzen abgefasst ist. Es wäre schöner, wenn es nicht so wäre. Ich meine alles, die Welt und vielleicht auch dieses Buch. Aber es ist nun mal so.
DER DRACHE REGT SICH ist Fantasy zum Abgewöhnen: schräg, rotzig, cool, intelligent, aber vor allem gnadenlos gaga. Das bildgewaltige, verstörende Mini-Epos haut voll daneben, aber das gezielt und mit großer Wucht.
Achtung. Diese Geschichte ist zum Selbst-Lesen. Nix für Elfen.
Mit s/w-Illustrationen von Thomas Putze
Leseprobe:
Drei Tage nach dem Fest der Helme brach großes Leid und Unheil über das Land herein, denn der Drache regte sich in seinem Schlaf. Da bebte wochenlang die Erde, und der Himmel verdunkelte sich. Es regnete giftiges Feuer aus verbrannten Wolken, und aus den Felsen drang Galle, kochend und zischend. In der Stadt stürzten die großen Steine zu Boden, die vor dem Haus des Drachentöters aufgestellt waren. Die Ernten verdarben vielerorts, die Menschen starben wie die Fliegen, und ihre Wohnungen fielen in sich zusammen. Not und Schrecken breiteten sich über Land, Mensch und Vieh. Und das nur, weil der Drache sich in seinem Schlaf geregt hatte. Da erlosch manch ein Menschenleben, denn vor den Gewalten der Natur und des Geschicks ist das Fleisch nicht mehr als welkes Gras, es fällt ab, wird zertreten und zu Staub zermalmt.
aufgepasst! jetzt geht’s los! ich fühl mich gekotzt und beschissen, darum schluck ich dreimal täglich himmelbläue (gegen die fläue in ihrem magen). liebeskummer? sehnsucht? tagträume?
alles kein problem, schalten sie nur einfach ihre gräue aus. und schon erfreuen sie sich bester bauernschläue!
Als nach vielen Tagen die Erde aufhörte zu beben, und man die Luft wieder atmen konnte, zogen die Herolde des Drachentöters durch das Land. Unter den Trümmern zerrten sie die wenigen Überlebenden hervor, und wer kräftig war und keine gebrochenen Glieder hatte, der wurde vor den Thron des Drachentöters geschleppt.
Sie sagten, der Drache sei erwacht und sie rüsteten ein großes Heer, um in den Krieg gegen das Ungeheuer zu ziehen. Dabei wussten sie ganz genau, dass der Drache nicht erwacht war, dass er sich vielmehr nur in seinem Schlaf geregt hatte. Das Volk wurde - wie an vielen anderen Orten auch - belogen, und wer vor den Thron des Drachentöters geschleppt wurde, der musste in den Krieg ziehen.
Der Drachentöter war ein vollgefressener, missmutiger Mann. Vom Volke wurde er nicht gemocht, und er wiederum mochte das Volk nicht. Darum war es für ihn eine unziemliche Misshelligkeit, dass seine Herolde etliche tausend Männer, Frauen und Kinder aus dem Volk vor seinen Thron schleppten, um sie in den Krieg gegen den Drachen zu schicken. Aber es war ein Ritual, das mit Ernst und Würde ausgeführt werden musste.
Der Drachentöter hatte dabei nicht viel zu tun.
Die Menschen wurden in seine Halle geführt, wo sie sich vor dem Drachentöter verbeugen sollten. Mit Worten mussten sie ihn dafür loben und preisen, dass er sich unterwand, den Drachen zu überwinden. Der Drachentöter allerdings tat nichts weiter als auf seinem Thron zu sitzen, er hatte noch nie etwas anderes gemacht in all den Jahrhunderten seines verlängerten Lebens. Es gab Leute, die heimlich flüsterten, er könne sich gar nicht von seinem Thron erheben.
Das mochte wohl so sein, aber es kümmerte den Drachentöter nicht. Er wollte sich nicht von seinem Thron erheben. Er hatte sein tausendjähriges Bewusstsein, das ihn köstlich mit lustigen Gedanken und Einfällen unterhielt. Dazu ließ er sich die besten Speisen auftragen und umgab sich mit einer niedlichen Schar kleiner Mädchen, die ihm den Schwanz schlotzten. Wenn der unruhige Schlaf des Drachen das Land verheerte, gab es viele verwaiste Kinder, die hungrige Mäuler hatten und nichts weiter verlangten, als dass man sie ihnen stopfte. Was sollte er sich da erheben?
Über den Autor:
Simon Weinert ist freischwebender Schöngeist der Gagademie der schnöden Künste. Demnächst befindet er sich im Landeanflug auf den Halbmond des geheimnisvollen Planeten Wendelschweif, wo er mit großem Erfolg ein hochmodernes, multifunktionales Selbstmordparadies ausrichten wird. Davor war er Erdenbürger mit verschiedenen Beschäftigungen.
Folgende Lernziele hatte er bereits vor einigen Jahren erfolgreich erreicht: Gehen, Sprechen, Lesen und Schreiben. Er ist nichts besonderes, seine Nase spricht für sich. Dieses Buch hat er geschrieben, was auch immer das zu bedeuten haben mag. Er freut sich über Rezeptvorschläge für die Befruchtung seines Paradiesplaneten, Einsendungen bitte über den Verlag.
Thomas Putze wurde 1968 in Augsburg geboren. Landschaftsgärtnerlehre, Theologiestudium, Kunststudium.
Verheiratet, drei Kinder, freischaffend als Bildhauer, Zeichner und Musiker.
Lebt in Stuttgart, hauptsächlich aber in der Wohnung.
PRESSE